Konzerte im November 2009
Jürgen Friedrich Trio – Fr. 6. November 2009 – 20.30 Uhr
Jürgen Frierich (p), John Hebert (b), Tony Moreno (dr)

Jürgen Friedrich Trio
Jürgen Friedrich Tropfende Improvisationen
Jackson Pollock. Wer mit dem Namen auf Anhieb etwas anfangen kann, der verdient seine Brötchen als Galerist, vielleicht auch als Feuilleton-Redakteur, oder er verfügt über einen derartigen Wissensschatz, dass ihn Günther Jauch stehenden Fußes mit einer Sänfte zu seiner Show "Wer Wird Millionär?" bringen lassen müsste. Hier also die Auflösung der 500.000-Euro-Frage: Bei dem gesuchten Namen handelt sich weder um einen Basketballstar noch um einen Filmschauspieler und auch um keinen (Vorsicht, jetzt wird’s hinterhältig!) Jazzmusiker. Besagter Pollock zählte Mitte des 20.Jahrhunderts zu den Underground-Helden der amerikanischen Kunstszene. Seine abstrakten Bilder entstanden meist durch die so genanten Tropftechnik. Der Maler ließ Farbe auf die am Boden liegende Leinwand tropfen oder schüttete sie schwungvoll darüber. Dadurch bildeten sich bewegte strukturen. Ein Resultat der Spontaneität und damit wesensverwand zum Jazz. Schon Ornette erkannte dies und bediente sich bei einer Neuausgabe seines Jahrhundertwerkes "Free Jazz" der Ästhetik Pollocks, indem er dessen Gemälde "White Light" auf dem Cover reproduzierte. Fast 50 Jahre später geht nun ein deutscher Pianist eitlen ähnlichen Weg. Jürgen Friedrichs neues Album, das er mit seinen amerikanischem Langzeitpartner John Hebert (Bass) und Tony Moreno (Drums) eingespielt hat, sowie eines der elf Stücke tragen den Namen "Pollock" (Pirouet/MVH). "Ich stehe schon allein auf den Sound des Wortes", sagt der 38 Jährige. "Es ist schnell draußen. Ich finde auch Jackson Pollocks Idee gut, Farbe in freiem Fall aufs Papier zu bringen. Ein spielerischer Ansatz. Nicht die totale Kontrolle." Dennoch sei die CD alles andere als ein Konzeptalbum oder gar eine Hommage. Die Spielweise lasse zwar gewisse Parallelen erkennen; ansonsten, so Friedrich, gehe es einzig darum, die Weiterentwicklung eines kongenialen, seelenverwandten Trios zu dokumentieren. Und das ist spannend genug. Die drei lassen Töne tropfen, Farben zerrinnen und die Musik laufen. Ein sinnliches, zugängliches, komplexes Erlebnis. Nie zuvor spiegelte sich der Mond in Monks "RoundMidnight" an einer gedachten Wasserfläche nach unten, während neue Wendungen einen langen Schweif in die Nacht aussenden. "Naturbelassen" nennt es Jürgen Friedrich und trifft den Nagel auf den Kopf. Keine zerbröselten Harmonien, keine Zusatztöne. Friedrich, Hebert und Moreno pendeln in ihren Soli zwischen Moll und Dur, umgehen gängige Regeln und spielen mit Erinnerungen, Impulsen oder Inspirationen. Drei leidenschaftliche Soundmaler, die mit der wertvollsten aller Farben agieren: Herzblut.
Reinhard Köchl / Jazzthing
Clemens Salesny Trio feat. Herbert Joos –
Sa. 7. November 2009 – 20.30 Uhr
Clemens Salesny (a-sax, bcl), Woody Schabata (vib), Raphael Preuschl (b),
Herbert Joos (tr, flh)

Clemens Salesny Trio feat. Herbert Joos
(...) Die Musik auf dieser CD ist: fantastisch. Sie ist cool, ohne kühl zu sein, sie ist intellektuell, ohne kopflastig zu sein, sie ist emotional, ohne kindisch zu sein – und sie ist durch und durch europäisch, ohne jedoch das US-amerikanische Jazz-Erbe aus den Ohren zu verlieren. Die vier kommunizieren auf einem so hohen Niveau miteinander, wie man es nur noch selten zu hören bekommt: Die Partner auf Augenhöhe im Blick behaltend, entwickelt man ein Geflecht aus Improvisations-Ideen – mal schlicht und einfach gestaltet, mal komplex und raffiniert entworfen, stets riskant, frisch und frech gespielt. Ein großer Wurf, der Salesny, Schabata, Preuschl und Joos hier geglückt ist.
(Martin Laurentius, jazz thing - review JWR 02/07)
CD: "Salesny/Schabata/Preuschl + Herbert Joos" (JazzWerkstatt Records)
Clemens Salesny (reeds), Fritz "Woody" Schabata (vibraphon, marimba), Raphael Preuschl (bass), Herbert Joos (trumpet) Die vier Ausnahmemusiker verzichten auf einen Bandnamen. Vor allem deshalb, weil die vier Solisten gleichberechtigt ihre Ideen und ihre Kreativität in ein Kollektiv einfließen lassen.
Saxophonist Clemens Salesny und Bassist Raphael Preuschl, beide Mitbegründer der Jazzwerkstatt Wien, gehören zu den wichtigsten Newcomer-Talenten des letzten Jahrzehnts. Beide sind auch in diverse zeitgenössische Projekte anderer innovativer Kollegen, meist im Wiener Jazzclub Porgy & Bess, involviert.
Fritz "Woody" Schabata, Vibraphon und Marimba, war schon vor mehr als 35 Jahren ein ernstzunehmender Avantgardist (Gruppe "underwear") und 1977 Gründungsmitglied des Vienna Art Orchestra. 1986 entstand seine Produktion "May-rimba". Hauptberuflich arbeitet Schabata im Orchester der Vereinigten Bühnen Wiens.
Der Stuttgarter Herbert Joos, einer der bedeutendsten Trompeter sowie Flügelhornisten Europas und gleichzeitig ein hochbegabter Zeichner sowie Grafiker, hat seit den 1970er Jahren eine besondere Beziehung zur österreichischen Jazzszene. Joos verfügt über eine ausgereifte Technik, improvisatorische Phantasie und einen weichen, runden Ton mit Substanz. In seinen Kompositionen gleichen sich rasante Sätze mit statischen Klangblöcken aus, auf CD vielfach realisiert im überspielten Dialog mit sich selbst. Joos: "Ich komponiere in erster Linie nicht musiktheoretisch, sondern gehe von einem Gesamtbild aus, das ich optisch vor Augen habe. Der grobe Aufbau, die Architektur, der Sound und die Stimmung, die ich ausdrücken möchte, sind zuerst da. Dann setze ich das Ganze in Noten um und erst zum Schluss kommen die Details." Der 69-Jährige hatte seine musikalische Laufbahn im Modern Jazz Quintet Karlsruhe begonnen, das sich später unter seiner Leitung Four Men Only nannte. Herbert Joos, der auch an Free Sound und Super Brass von Hans Koller und Wolfgang Dauner mitwirkte, spielte im Vienna Art Orchestra sowie mit Wolfgang Puschnig (Aspects, Alpine Aspects), Klaus Dickbauer (Nature Way) und (im Duo) mit Frank Kuric. Joos trat bereits mehrmals beim Salzburger Jazz-Herbst auf.
> Clemens Salesny
The Organ Grinders
feat. Jerry Bergonzi –
Mo. 16. November 2009 – 20.30 Uhr
Johannes Enders (t-sax), Jerry Bergonzi (t-sax), Renato Chicco (org),
Christian Salfellner (dr)

Jerry Bergonzi
The Boss Tenors
Hinter diesem Namen steht das Treffen zweier großer Saxophonisten der „Tenor Family“. Auf der eine Seite Jerry Bergonzi, internationaler Saxophon Ikone , bekannt für seinen lyrischen Sound und komplexe Harmonik, trat zum ersten Mal ins Rampenlicht als er 1973 mit Dave Brubeck weltweite Tourneen bestritt. Von da an spielte er mit allen großen Namen des Jazz, zuletzt war er mit dem John Abercrombie Quartet in Europa zu hören, und trat auch als Leader eigener Formationen in Erscheinung.
Auf der anderen sein ehemaliger Schüler Johannes Enders, in Europa ein wohlbekannter Name. Durch unzählige Preise, Aufnahmen und Projekte aber vor allem durch seine Band "Enders Room" konnte er sich einen Fixplatz auf den wichtigsten europäischen Jazzstationen erspielen. Seit 2009 ist er Professor für Saxofon an Hochschule für Musik und Theater in Leipzig.
Die Musik, die von Bergonzi und Enders für dieses Projekt geschrieben wurde, bietet den optimalen Rahmen für die hohe Improvisationskunst der beiden. In der Rhythmsection mit dabei sind der Slovene Renato Chicco an der Orgel, ein langjähriger Begleiter von Jerry Bergonzi, und Christian Salfellner am Schlagzeug, der sich sowohl in Österreich als auch international einen Namen als Sideman gemacht hat.
Eintritt: 18€
> Johannes Enders
> Jerry Bergonzi
Martin Zenker German Quartet – Do. 19. November 2009 – 20.30 Uhr
Martin Zenker (b), Björn Lücker (dr), Nam Kyeongym (p), Stefan Maus (t-sax)

Martin Zenker
In den letzten 15 Jahren gehörte der Bassist Martin Zenker zu den vielseitigsten und meistbeschäftigen Sideman in der Deutschen und internationalen Szene. Zahlreiche Auftritte in Asien, USA und Europa u.a. als sideman von Billy Hart, James Moody, Jimmy Cobb oder Ed Thigpen belegen dies. Daneben war er aber auch immer aktiv als leader eigener Formationen, wie zB. UGETSU oder Bass "n" Bass. Mittlerweile lebt Martin Zenker als Professor für Kontrabass und Jazzgeschichte in Seoul/Südkorea, leitet aber sein eigens Quartet das ausschliesslich Kompositionen aus seiner Feder spielt. Dazu gehören die Hamburger Musiker Stefan Maus, ts, Buggy Braune, p, und Björn Lücker, dr, alle drei feste Grössen in der norddeutschen Jazzszene.
Björn Lücker (dr)
Der musikalische Background des in Hamburg lebenden Schlagzeugers Björn Lücker reicht von Jazz über Klassik, Experimentelle Musik, Improvisierte Musik bis hin zu modernen Rock- und Crossoverprojekten sowie Lyrik- Vertonungen.
Seine Fusion von Klängen der Neuen Musik mit dem drive und der Agilität des Jazz führt zu einem Klangspektrum, das die Trommeln und Becken zu einem Melodieinstrument werden lässt und somit neue Dimensionen auch im Zusammenspiel mit anderen Musikern erschliesst.
Björn Lücker im Internet: www.the-organics.com und www.brenntrekords.de
Stefan Maus (t-sax)
Studium Popularmusik Saxophon an der „Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten“
(hilversums conservatorium) bei Ferdinand Povel, Jasper Blom: Abschluss (Diplom) im Mai 1997 Mitwirkung in zahlreichen Formationen und Bigbands u.a. Nils Gessinger Band Jazzhaus Orchestra, Hans Leonhard Jazz Orchestra, Dual City Bigband (NL), Rocko Schamoni Tour 2002, Ricardo Aleman y su Orchestra, Count Pauli Bigband, Ladi Geisler & Friends, Robbie Smith & funky brass Dozent an der 'Hamburg school of music'
Martin Zenker (b)
Geboren 1970 in München, arbeitet Zenker seit 1989 als professioneller Musiker in allen Bereichen und auf allen Kontinenten. Nach dem Studium am RSK München begann 1991 die erste Zusammenarbeit mit Rick Hollander und Tim Armacost. Von 1996 - 2000 leitete er seine eigene Band UGETSU die weltweit mehrere Tourneen absolvierte, unter anderem nach Australien, China und Südafrika, dokumentiert auf zahlreichen Aufnahmen. Nebenbei häufige Zusammenarbeit mit James Moody, Conte Candoli, Jimmy Cobb, Ed Thigpen, Billy Hart, Johannes Enders und anderen. Neben seiner Tätigkeit als Leader von New Territory leitet Zenker auch die Band Bass ´n´ Bass zusammen mit dem Münchner Bassisten Andreas Kurz, die sein solistisches Können in den Vordergrund stellt, während bei New Territory der Fokus auf seinen kompositorischen Fähigkeiten liegt. Ausserdem ist er festes Mitglied der New Yorker Band Universal Language um den Trompeter Valery Ponomarev und Don Braden, die regelmässig auf Festivals und in Clubs in den USA gastiert und des Trios des Schlagzeugers Billy Hart. Seit 2004 ist er Gastdozent an der Universität von Seoul/Südkorea.
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