Konzerte im Juli 2009

 

Martin Lillichs Cookbook Sa. 4. Juli 2009 – 20.30Uhr
Martin Lillich (b), Uli Kempendorff (sax), Rolf Langhaus (p), Florentin Duna (viol),
Pavel Rendzov (dr), Martin Auer (tp)

Martin-Lillichs-Cookbook
Martin Lillichs Cookbook


Martin Lillich, geboren 1955, absolvierte seine Ausbildung als klassischer Kontrabassist an der Hochschule der Künste Berlin. Er spielt Kontrabass, E-Bass und akustische Bassgitarren. Sein musikalisches Betätigungsfeld reicht vom Jazz über die Klassik bis zur WorldMusic. Sein Spezialgebiet ist Musik aus der Türkei und deren Umfeld und neuerdings auch die amerikanische New Klezmer-Szene. Er ist als Solist und als Sideman fester Bestandteil der Berliner und der deutschen Jazz-Szene.

Südwestpresse 27.03.2009 BKE review:
Berliner Kammerensemble in der Ev. Cyriakuskirche in Dürnau

Die Künstler waren für ein Engagement in einem Stuttgarter Theaterprojekt ins Ländle gekommen und boten in großzügiger, freundschaftlicher Geste den Dürnauer Musikfreunden  - und allen, die auch von weither kommen wollten! - kurzfristig ein Konzert an.

Es war vom Feinsten, was sie spielten und wie sie es boten, Werke aus dem Barock (Telemann, Händel, Vivaldi), aus galanter Zeit und aus der Klassik (Janitsch, Mozart und Beethoven). Das besondere des Konzerts war u.a. die ungewöhnliche Instrumentierung der Stücke.

So wählte das Ensemble in den Sonaten von Händel und Mozart  das Sopransaxophon (Saxophon und Querflöte: Florian Trübsbach) als solistisches Gegenüber zur Violine. Dieses Instrument, das in der Klassik noch unbekannt war ( „Mozart hätte seine Freude daran gehabt“, so der Künstler F. Trübbach), überraschte im Dialog mit Trompete (Martin Auer) und Violine (Florentin Duna) und ermöglichte ein neues, überzeugendes Klangerlebnis. Die vertrauten Sonaten  von Händel, das D-moll-Konzert von Vivaldi erhielten durch die Umbesetzungen mit Trompete und Querflöte interessante Färbungen, und das brillante Zusammenspiel mit höchstem musikalischem Anspruch der Solisten fesselte die Aufmerksamkeit  des  Publikums.

Rolf Langhans gestaltete seinen umfangreichen Part an Cembalo und Orgel so souverän wie sensibel, hatte er doch teilweise die Fülle eines ganzen Orchesters zu ersetzen. Martin Lillich (sein flexibles Kontrabass-Spiel vereinigt Celloklang und tiefste Tiefen!) beschrieb in wenigen Worten, wie bedeutend für ihn trotz aller perfekten Konservierung der Musik heute das Originalspiel sei und wie wertvoll auch das aufmerksame Zuhören eines „leibhaftigen“ Publikums. So wurde der Konzertabend für beide Seiten, für Künstler und Zuhörende, ein außergewöhnliches Erlebnis, zumal sich die Dürnauer Dorfkirche mit ihrer hervorragenden Akustik wieder als Konzertraum bewährte. (mlb)

Eintritt 18€

> Martin Lillich
> Uli Kempendorff
> Martin Auer
> Rolf Langhans
> Pavel Rendzov



Human Activity Quintet – Do. 23. und Fr. 24. Juli 2009 – 20.30 Uhr
Brad Shepik (g), Drew Gress (b), Gary Versace (p, org, acc), Tom Rainey (dr),
Ralph Alessi (tp)


Human Activity Quintet


Brad Shepik „Human Activity Suite“
Im Frühjahr 2007 hatten wir erst seine “Places You Go” gefeiert und damit einen der herausragenden jüngeren Gitarristen des zeitgenössischen Jazz. Und nun legt Brad Shepik in veränderter Besetzung – für Scott Coley ist jetzt Drew Gress am Bass, und Ralph Alessi spielt Trompete – ein Meisterwerk vor. Der Titel klingt so ehrgeizig wie das ganze Projekt: Dieser Suite, die vom erdumspannenden Wirken der Menschheit erzählt, traut man zu, so schwer zu wiegen wie die Weltkugel auf des Atlas‘ Schulter. Und dann kommt sie fast leicht daher und euphorisierend, ein Werk zum Jubeln. Shepik hat zehn Stücke/Sätze geschrieben, die vom Start weg – mit „Lima (South America)“ – vollkommen in Bann schlagen, bis zum Schluss mit „Waves (Asia)“. Dies ist ein denkwürdiges magnum opus der Jazzgitarristik, nichts weniger als die wahrscheinlich gescheiteste, überlegteste, souverän geplanteste, trefflichste und treffendste, abwechslungsreichste, kommunizier freudigste und erregendste Jazz-Umsetzung globaler geographisch-ethnisch-kultureller Unterschiede und, ja: auch Gemeinsamkeiten. In dem Satz „Stir (Antarctica)“ die Orgel mit wenigen schmalen Akkorden eine (E ) Satz begleiten zu lassen, wirkt nicht verwunderlich, sondern nachgrade zwingend. Und so geht das quer durch die Kontinente, bis nach Australien, wo hauptsächlich Versace für einen geballten Satz feinsten, swingendsten Modern Jazz sorgt. Drei der Sätze sind keiner Großregion zugeordnet, stehen autonom und bilden Spannungszentren für sich, „Human activity“. “Current“ und „Carbonic“, die der Gesamtstruktur ihre besondere Festigkeit und Schlüssigkeit verleihen.

Dass Brad nicht nur ein äußerst faszinierender, eleganter und feinsinniger gitarristischer Exponent des zeitgenössischen komponierten Jazz ist, wissen wir schon. Dass er ein Strukturalist mit ungewöhnlicher Präzision im Denken wie im Umsetzen ist, haben wir im Netz-Werk von „Places You Go“ entdeckt. Wenn jetzt sein Keyboarder und Organist Gary Versace das Akkordeon spielt, und zwar in „Lima (South America)“, dann steckt darin beispielsweise mehr Weisheit als in aller Küchenphilosophiererei so genannter „Weltmusik“ zusammen. Wie Brad Shepik es fertig bringt, Typische Idiome der Kontinente und die in ihm selbst praexistente eigene Musik so in Einklang zu bringen, dass nichts verloren geht, ist meisterhaft und, behaupte ich, ohnegleichen im modernen Jazz, erst recht im modernen Gitarren-Jazz. Es ist ein Hörbuch. Weltliteratur.


Alexander Schmitz Jazzpodium



> Brad Shepik




< zurück

 

signet world of basses in kooperation mit world of bassess

art gallery reutlingen
<
<
<