Falko Warmt „Bilder und Skulpturen“

Reutlingen: 3. April 2009


FALKO WARMT Bilder und Skulpturen - Schöne neue Welt.

FALKO WARMT ist ein vielseitiger Künstler. Sowohl Ölbilder, Materialbilder,
Aquarelle, Grafiken und Plastiken gehören in seine künstlerische Werkschau. Hier in Reutlingen ist der Versuch unternommen worden, aus mehreren Schaffensphasen Bilder und Skulpturen aufzuzeigen.
Den Anfang dieser Zeitreise, dieses Rundgangs in der Galerie, machen die Seelenund Materialbilder, die teilweise vor der Wende und kurz danach geschaffen wurden. Wie zum Beispiel die hier ausgestellte Arbeit von 1987 „Schwebende Seele“ und das großformatige Materialbild „Wanderer im Licht“, welches von 1989-1993 entstand.

Des Weitern verkörpert das aus mehreren Papierschichten gearbeitete Werk „Geheimes Gras“ aus dem Jahre 1997, ein immer wieder auftauchendes Motiv in den Arbeiten des Künstlers FALKO WARMT, das auch in späteren Bildern wie die „Arche“ aus dem Jahre 2003, strukturell wieder zu finden ist.

Ab dem Jahre 2000 setzte er sich mit den Erscheinungen unserer Zeit, ja mit der Gesellschaft, in seinen Schwebebildern, den Röntgenlandschaften auseinander, aber auch der antike Mythos der furchtlosen „Argonauten – Die Suche nach dem ewigen Glück–Die Suche nach dem Goldenen Vlies“ belebten eine Reihe von Bildern.
„Das Durchdringende und das Überlagernde lässt sich durch diese Art von Bildern besonders gut darstellen. … Hier durchdringt das Kleine das Große. Wenn ich mit der Hilfe der Zeichnung ein Röntgenbild der Gesellschaft mache, dann ist alles gesagt. Die Dinge zeigen sich von selbst.“

Die neuesten Gemälde- und Skulpturen schließen nun hier den Kreis der Werkschau, in einer sehr klaren Umsetzung der Formensprache, sowohl in Öl auch als auch in Metall, angeregt durch den 1932 erschienenen Roman „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley.

Der Maler, Bildhauer und Grafiker FALKO WARMT der 1938 in Gera, in Thüringen geboren wurde, begann neben seinem Ingenieurstudium, um 1961, bei dem Maler Otto Müller in Halle Unterricht zu nehmen. Als "Gräsermüller" bekannt geworden, lehrte er seinem Schüler die handwerkliche Präzision des Zeichnens und gab ihm die Fähigkeit mit, die eigenen Arbeiten auch kritisch zu betrachten. Viele seiner Arbeiten beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Mensch, Tier und Natur.

Über seine Zeit mit Otto Müller in Halle, erzählte er in einem Interview aus dem Jahre 2003 das nun Folgende:
„Mit Otto Müller abe ich oft in der Umgebung von Halle nach der Natur Gräser und Blumen gezeichnet. Die Liebe zur Zeichnung ist mir bis heute geblieben. Ich habe sowohl Grasplastiken gemacht als auch Bilder die Gräser zeigen. Gras ist mir ein wichtiges Thema geworden und führte mich schließlich zu meinen Bildern der rissigen Erde (Harmas).“
In Thüringen als Kind naturverbunden aufgewachsen und in seinem Lehrer einen Mentor findend, der die Natur als größte Inspirationsquelle verstand, prägten die Jahre des Ausprobierens und des sich Findens sein Künstlerdasein , und sie bildeten sogleich die Grundlage seiner Malerei.

1978 entschied er sich den Schritt in die freischaffende Tätigkeit zu wagen, und sich gänzlich der Kunst zu widmen. Von Fritz Cremer bestärkt und schließlich empfohlen, wurde er im Verband der bildenden Künstler der DDR aufgenommen.
Er gehörte im Osten der Republik zu den eigenwilligen Künstlerpersönlichkeiten des Landes, die ihr künstlerisches Schaffen frei gestalteten, von der gängigen Kulturpolitik der Staates unabhängig arbeitend, ihre Kunst schufen.
Eine Vielzahl dieser Freidenker wurde in der Öffentlichkeit nicht gezeigt, sie wurden fern gehalten, ja ignoriert. Ein Druckmittel um staatsträchtige Ideologien durchzusetzen, denn das expressive und dekadente Dasein solcher Künstler wurde beobachtet!

FALKO WARMT war und ist so ein Querdenker, der diese Ost-West-Kulturdebatte mit seiner Kunst überstand und heutzutage seine Arbeit unbeirrt von gesellschaftlichen Zwängen fortführt.
Seine Einstellung, dass ein Künstler nicht abhängig von Politik sein kann, grenzenüberschreitend wirken muss, ist unablässig geblieben.
Er galt im nichtoffiziellen Kulturleben als ein Geheimtipp. So wurde die 1987 gezeigte Ausstellung - FALKO WARMT Malerei Druckgraphik Plastik - in der Galerie Unter den Linden sein Durchbruch in Ost und West. Schließlich folgten Ankäufe von Galerien, Privatsammlungen und Museen.

Was an FALKO WARMTS Bildern sofort auffällt ist der Eigenwilligkeit der
Farbgebung. Stark, expressiv und stimmungsvoll setzt er Farbe als Eigenwert ein. Farb- und Formgebung sind gleichwertig ausgeprägt.
Doch ist er vor allem Zeichner. Malerische und plastische Arbeiten sind dominiert von der Linie. Meist verwobene bizarre Gebilde, feinsinnige Partituren von Strichlagen und Drähten, die ihren Weg suchen, ausufernd und doch eins.

Im spielerischen Experiment suchend, baut er im Bewusstsein des Zufalls seine Bilder. Fasziniert von den Höhlenkonstruktionen der Termiten und den Seelenbekundungen der Indianer, die die Seele als die Wachheit des Geistes verstehen, findet Falko Warmt seine Eingebungen, welche sich haptisch in der Vorliebe für die Verwendung vielseitigster Alltagsutensilien äußern.
„Über Anregungen aus der faszinierenden Welt der Insekten bin ich dazu
gekommen, mit verschiedensten Materialien meine Bilder zu bauen, zu verflechten und zu überlagern.“
Der größte Teil der hier ausgestellten Bilder weist auf solche langwierigen
Entstehungsvorgänge der Arbeiten hin, die durch ihre mehrfachen Malschichten und krustenartigen Oberflächen den Prozess des Bauens an einem Bild bezeugen.

Dem aufmerksamen Betrachter werden immer wieder auftauchende Motive wie kleine Kirchenbauten; Köpfe; Männer mit Hüten weibliche Akte; Sinnsprüche – poetisch-kaligraphisch ins Bild gesetzt „Siehe, Das alles haben meine Augen gesehen und meine Ohren gehört“; mystische Zahlenreihen; Frequenzen oder aber auch die Welt der Tiere und Pflanzen begegnen.

Beobachtende Gestalten, Figurinen, durchleuchtete Silhouetten, von Geschwindigkeit und funktionierendem Tatendrang geprägte Wesen erscheinen in dieser Bildwelt. In regellosem Wechselspiel drängen sich Linien, Punkte, Farbschichten über - oder aneinander. Perspektive setzt sich bewusst außer Kraft.
Raum, Zeit, Dimension sind frei schwebend. Es gibt kein vorher und nachher, kein oben und unten, alles geschieht gleichzeitig. Alles ist möglich.

Er hat Lust an der Schaffung dieser Welt, die sich gerne effizient schnell bewegt, meistens ein Leben im Zeitraffer.
Einerseits poetisch verwobene Bildgeschichten, und andererseits auch Röntgenlandschaften der Gesellschaft. Es sind Beschreibungen, Verdeutlichungen, Zustände unserer Zeit. Er selbst sagt: „Nein, keine Kritik, nur ein Ist.“

Das Geheimnisvolle und Rätselhafte paart sich mit Reellem. Das Heile und das Unheimliche treffen aufeinander.
So sind WARMTs Bilder, Zeichnungen und Plastiken - Ausdruck seiner
schöpferischen Kreativität. Als Beobachter und Sehender agiert er als Mittler zwischen den Welten, als ein Gestaltwandler. Er zeigt uns in seinen Bildern eine Vielfalt von Möglichkeiten auf, die Impulse sendend, über das normal Gesehene hinausweisen.

In dem Roman des Autors Aldous Huxley„Schöne neue Welt“ wird eine Welt
beschrieben, die den Menschen anhand von künstlerischer Fortpflanzung und Konditionierung zwingt, in einem gesellschaftlichen System von Geburt an zu funktionieren. Ein von Nummern, Registrierungen jeglicher Art eingefasstes Leben, wobei die Menschen durch Beschränkungen von Kunst und Religion das Bedürfnis zum kritischen Denken verlieren.

Die beiden neuesten Arbeiten in Öl - „Probefahrt“ und „Salve“ - spiegeln diese fremdbestimmte Daseinsberechtigung vieler Menschen im System wieder. Durch die Methode der Überlagerung von Figuren, Zahlen oder Objekten, erhält er die unbegrenzte Möglichkeit die Vielschichtigkeit der neuen Welt aufzuzeigen. Alle Informationen des Alltags können festgehalten werden. – Sie sind zur Bündelung bereit. Einerseits eine phantastisch reizvolle Bildwelt, leicht wie ein Klavierstück Erik Saties, und anderseits begegnen uns instinktiv wachsame Betrachter des Alltäglichen.

So sind ebenso die FLEXMEN Plastiken von einem stark zeichnerischen Element der klaren Linie geprägt. Wie ferngesteuerte Silhouetten, als Sinnbilder einer empfunden Wirklichkeit den Raum einnehmend, sind sie mit Rastern, Nummern und Bezeichnungen bestückt versehen mit Materialien und Gebrauchsgegenständen unserer Zeit. Eisen und Collage als dienliche Stimmungsträger. Bei Berührungen sensibilisierte verletzliche Metallobjekte, wo die zeichnerische Vorliebe der Linie zu Eisendraht geformt, ihre Entsprechung findet.

Die Linie als Poesie der Form, die Mannigfaltigkeit an Farbklängen, gepaart mit der reliefschönen Wirkung und der Architekturfähigkeit des Materials, lassen die Bilder von FALKO WARMT zu einer stetigen Endeckung werden, die uns die vielschichtigen Möglichkeiten der Phantasie in der Malerei aufzeigen und somit die Kunst als Blume von Originalität begreifen lässt.

Ein Bild der Ausstellung trägt den Titel:
„Denn wie wenn der Morgen käme“ (Hiob)
- Zauber, Geheimnis, die Gedanken sind frei – FALKO WARMT.

(Hendrikje WARMT M.A., Berlin, März 2009)



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