27.10.2006 09.11.2006
ROBA | Popp-Arts
Lässt sich Liebe in Kunst umsetzen?
Was ist gezeichneter Sex?
Können zwei Künstler an einem Werk arbeiten?
Dies sind einige der Fragen mit denen sich das Kölner Künstlerpaar RoBA auseinandersetzt. Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit sind hunderte erotische Zeichnungen entstanden, die als Installation am 27. Oktober 2006 erstmals in der Galerie Festl & Maas gezeigt werden.
Die Landschafts- und Städtemalerei Ronald Frankes war bisher menschenleer. Seit seinem Zusammentreffen mit der Künstlerin Barbara Wieneke hat sich das grundlegend geändert.
Auf den popp-arts benannten, luftigen, skizzenhaften Zeichnungen des Künstlerpaars steht der Mensch im Mittelpunkt. Zu sehen sind Paare beim phantasievollen Liebesspiel, in inniger Umarmung und mit offensichtlicher Unbekümmertheit. Wegen der wechselseitigen Arbeitsweise ein Künstler gibt eine Figur vor, der andere ergänzt die zweite Figur in einer anderen Farbe wirken die Skizzen vor allem im Film, der ein Teil der Installation ist, dynamisch und unterhaltsam. Die angedeuteten Körper, suchen und finden einander. Die Haltung der ersten Figur lässt mehrere Positionen möglich erscheinen, erst durch die Ergänzung entsteht eine konkrete Komposition. Für den Betrachter ergibt sich so ein amüsantes Spiel von Erwartung und Bestätigung oder Überraschung.
ROBAs Paare sind nicht nur leicht und vergnügt, sie schweben tatsächlich in einem luftleeren Raum der Illustration. Außerhalb gesellschaftlicher Bezüge, sind sie der Schwere der Existenz enthoben. Ihr Sex ist ein fröhliches Ausprobieren der verschiedenen Stellungen, ist von Ängsten, Trieben, Schmerzen und Wut befreit, ist heterosexuell, braucht keine Hilfsmittel, kennt keine Körperflüssigkeiten und hat daher etwas unbeflecktes, geradezu biblisch-paradiesisches.
Eine Art Skizzenbuch-Adam und Eva also, die dem Sündenfall entgangen sind und in einer zeitlosen Welt leben. Gut vorstellbar, dass eine frivole Gruppe von vorzeitlichen Höhlenmenschen, solche Zeichnungen an die Wände ihrer Höhle gemalt hätten.
Die Anordnung der Skizzen in einer Installation konkretisiert diesen Eindruck der Unbekümmertheit noch: Ein Raum wird auf drei Seiten durch die von Fäden verbundenen Zeichnungen begrenzt. In der Mitte steht ein Bett, Federdecke und Laken sind zerwühlt, vielleicht noch warm. Auf einem Monitor läuft ein Film, der ebendiese Skizzen in schneller Folge zeigt. Die Installation popp-arts des Künstlerpaars Barbara Wieneke und Ronald Franke zeigt Sex federleicht und ohne Pathos.
Das ist erfreulich, wird doch Sex derzeit meist in seinen gesellschaftlichen Bezügen und in einer entgrenzten, eventuell restprovokanten Form thematisiert und dabei hauptsächlich auf seine Verwertbarkeit für die Produktionsgesellschaft hin untersucht. Medienereignisse wie „Sex and the City“ aber auch die Antiprostitutionskampagne während der WM und die Blut und Samen-Inszenierungen auf deutschen Bühnen richten ihr Augenmerk nicht auf die Darstellung des alltäglichen und doch himmlischen Vergnügens, sondern auf den Kontext des Sexuellen, also seine Einbettung in die Gesellschaft: Sex als große Metapher, mit der sich alle gesellschaftlich relevanten Fragen nach Ungleichheit, Entfremdung, Rassismus breitenwirksam abbilden und zugleich zudecken lassen.
Auf dem Höhepunkt seiner medialen Verwertbarkeit angekommen hat sich das Bild des Sex geändert. Er hat sein bürgerliches Gewand abgelegt und Einflüsse aus Swingerhaushalten, der Gay-Szene und Fetischtreffs integriert. Die untendenziöse Darstellung des Liebesspiels bleibt bei solcherart massenmedialer Nutzung natürlich außen vor, denn die Marketingindustrie gab schon immer einem insgesamt eher neurotischen Verhältnis zum Sex Ausdruck.
Auch in der bildenden Kunst sind Erotik und Sex oft eine Sache der Überhöhung und Unentspanntheit. Aus- und aufgeführt von oft einsamen Existenzen in einer „Was ich nicht haben kann, kann ich wenigstens malen“ - Manier, die der an sich unprätentiös freudigen Betätigung im Bett nicht gerecht wird. Freilich ist die Abbildung des Liebesspiels auch nicht ganz einfach. Vieles was den Sex ausmacht, entzieht sich weitestgehend der Darstellung. Nonverbale Kommunikation, Körpererkundung, Transzendenz, Intimität und Verschmelzung sind nur andeutungsweise auf einem Blatt Papier festhaltbar. Was bleibt sind die Körper der Partner, die Positionen und Stellungen die sie einnehmen. Doch gerade hier wird es oft problematisch: Schnell wirken Abbildungen von Paaren beim Sex lehrbuchhaft statisch und leblos banal. Durch skizzenhafte Leichtigkeit und kluge Anordnung der Installation vermeiden Barbara Wieneke und Ronald Franke diese Banalität und geben der Abbildung des Liebesspiels zurück, was dieses ausmacht - Freude und Ausgelassenheit.
Hansjörg Fröhlich